Freitag 12.März 2010 | 18:36
Sports / Beachvolleyball / Blog

Von Jonas Reckermann am 15.09.2009

Was hat eine Achterbahn mit Beachvolleyball zu tun? Und was war da mit den Trikots? Jonas Reckermann bloggt über all diese Themen direkt aus Blackpool/UK.


Hello from Great Britain!

Zum zweiten Mal findet ein internationales Beachvolleyballturnier auf der Insel statt, für mich ist es die England-Premiere. Blackpool gilt in England als Hochburg des Binnentourismus. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts verbringt insbesondere ein Großteil der zur "Arbeiterklasse" gehörenden Bevölkerung die Ferien und Wochenenden im Mekka der Achterbahnen.

Insgesamt 13 Achterbahnen tragen neben unzähligen Fish-and-Chips-Läden, Pubs und Nachtclubs zum speziellen Stadtbild Blackpools bei. Insbesondere Junggesellenabschiede und Mannschaftsfahrten finden in Blackpool ihr Ziel, nicht umsonst wird auch vom "El Arenal" der flugunwilligen Briten gesprochen. An diesem Ort also berührt der Beacholleyball britischen Boden - absolutes Neuland für unsere Sportart.

Dies merkt mal leider auch bei der Organisation dieses Events. So wurde der Bitte der Spieler nach ausreichend Essen erst am Samstag entsprochen, ein Schelm wer Böses dabei denkt, dass ausschließlich Kartoffelpüree und dazu Bratwürste auf dem Speiseplan standen...

Da auch der Pendelverkehr zwischen Hotel und Spielort ähnlich berechenbar war wie die Ziehung der Lottozahlen (nur dass zwischen den einzelnen Ziehungen weniger als 45 Minuten liegen) und auch die Spielansetzung nicht gerade auf große Spielerakzeptanz stieß (Am Samstag mussten die Teams in der Verliererrunde zwei Spiele innerhalb von zwei Stunden machen, weil die Verantwortlichen lieber erst am späten Vormittag anfangen wollten), wird dieses Turnier nicht gerade in die Top-Ten der spielerfreundlichsten Veranstaltungen aufgenommen werden.

Am Samstag sahen Ausrichter und Vermarkter dann "schwarz". Erstmalig schaffte es ein britisches Team ins Halbfinale eines internationalen Turniers! (Das ist noch nicht das Ärgernis) Leider blieb die Mattscheibe bzw der Flachbildschirm in den britischen Haushalten SCHWARZ, weil das TV-Signal zwischen Center-Court und Satellit nicht funktionierte.

War das Schwarz an dieser Stelle zu viel, fehlte es woanders: Vor Beginn unseres Halbfinals teilte man uns mit, dass wir die Spieltrikots doch bitte nach dem Spiel zurückgeben sollten, damit diese gewaschen (!) werden und am nächsten Tag noch einmal verwendet werden könnten, da von den SCHWARZEN Trikots zu wenige geliefert wurden. So lieferten wir unsere getragenen Shirts nach dem Spiel brav wieder ab und mussten zuvor einigen Fans mitteilen, dass wir das Spieltrikot leider nicht verschenken dürfen, weil wir es nur geliehen hatten - geglaubt haben die es uns vermutlich nicht...

Und nun kommen wir zum Mitarbeiter des Tages: Wir gaben die Trikots also dem Veranstalter zurück, doch irgendwie lief auf dem Weg zur Waschmaschine erneut etwas gravierend schief: Die schweißgetränkten Leibchen erreichten nie den Waschsalon, sondern wurden irrtümlicherweise verschenkt, Vertreter des Ausrichters hatten beim Abendessen noch einen hochroten Kopf...

Unterstrichen werden die Eindrücke der leicht chaotischen Organisation vielleicht dadurch am besten, dass sich Patrick Heuscher (eigentlich die Inkarnation des ruhigen, fast schon phlegmatischen Schweizers) sogar zu einem historischen Wutausbruch hat hinreißen lassen. Grund für diese völlig unschweizerischen und lautstarken Emotionen war übrigens der nicht funktionstüchtige Shuttleservice. Am Ende gab es einen wiederum eidgenössich, typisch friedlichen Sitzstreik, Patrick weigerte sich einfach, aus dem für die Schiedsrichter bestimmten Kleinbus wieder auszusteigen.

Mein heutiger Beitrag hört sich jetzt etwas einseitig negativ an. Ich kann versichern, dass es uns nicht so schlecht ging wie es sich nun anhört, die positiven Dinge sind an dieser Stelle meinem Schlafwunsch zum Opfer gefallen, wie zum Beispiel die Erwähnung des enthusiastischen Publikums - ach ne, das war ja in Timmendorfer Strand...

Am Ende muss ich aber doch noch einmal betonen, dass es erst das zweite Turnier überhaupt auf der britischen Insel ist und daher die Organisation noch nicht perfekt sein kann. Auch hört es sich jetzt vielleicht sehr anspruchsvoll an, was wir Spieler für eine Erwartungshaltung auf einem Turnier an den Tag legen aber ich kann versichern: Gebt den Spielern: Wasser, ausreichende Mengen Pasta mit (roter) Sauce, einen Transportservice mit festen Abfahrtszeiten und mindestens 90 Minuten Pause zwischen zwei Spielen und alle werden zufrieden sein, selbst wenn sie ihr Spieltrikot wieder abgeben müssen...

Nun lege ich mich aber brav ins Bett und gebe dem morgigen Tag in Blackpool die Chance, der schönste in meinem Beachvolleyballleben in Großbritannien zu werden!

Beste Grüße,

Euer Jonas

PS: Das eine Photo zeigt übrigens das Spielerhotel. Unser Zimmer ging nach hinten raus zum Vergnügungspark, "The Big Blue" (Die große Achterbahn) fuhr im 3-Minute-Rhythmus quasi durch unser Zimmer, stellte aber rechtzeitig zur Nachtruhe den Betrieb wieder ein.


England war eine Achterbahn der Gefühle. Im wahrsten Sinne des Wortes.
© Red Bull Photofiles


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