
Salzkammergut, immer gut. Nur leider auch oft regnerisch. Wegen dem vielen Wasser dort. Unser Lehrer hieß Orlando, unsere Lehrerin Anna. Gott, ist die süß. Sie hat große weiße ganz regelmäßige Zähne und zeigt sie oft, weil sie so viel lacht. In ihren Augen erkennt der Fachmann, dass sie ein bisschen verrückt ist. Oder fällt euch auf Anhieb eine Frau ein, die ihren Lebensunterhalt damit verdient, von Klippen in Meere und Seen zu springen. Eben.
Mit Orlando ist es ganz ähnlich: verrückt und süß. Als reifere Variante von Anna. Für die Damen. Dabei immer Herr der Situation, ein richtiger Showman. Marke Zirkusartist. Medienprofi. Einstellung: Hauptsache, es macht Spaß.
Machte der Workshop auch. Wir waren etwa 20 Teilnehmer, der jüngste 14, der älteste 36. Mädels waren zwei dabei, Anna nicht mitgerechnet. Bei den Jungs herrschte Testosteron-Überschuss Galore.
Ein Typ war unterwegs, als hätte er Cliff Diving erfunden. Neoprenanzug und Sportschuhe. Er war auch der einzige, der schon mal von ganz oben aus der Wand gesprungen ist. Allerdings nicht heute. Denn heute sprang kein Schüler von der obersten Plattform der Falkensteinwand. Nicht mal Anna.
27 Meter hat die Wand. Ein Monster. Da wird deine Speedo-Badehose vorn ganz klein, wenn du da oben stehst. Ich krabbelte auf allen vieren über die Rampe. Böse Zungen behaupten, ich hätte mich an Orlandos behaartem Bein festgehalten und leise gewimmert.
Noch ein Grund für die Volumen-Dezimierung im einzigen Ausrüstungsstück eines Cliff Divers: 16° im Wasser und grauer Himmel. Da schlottert die Otter. Wer jetzt glaubt, ich erzähle euch noch ein paar Tricks, die uns heute beigebracht wurden: denkste. Dann lieste die nächste Printausgabe vom Red Bulletin und dann springste. Yes, you can!
So, dafür verrate ich Euch wie tief mein tiefster Sprung heute war: 10 Meter. „Pah“, sagen da die harten Männer, trinken ihr Red Bull und essen dann die Dose auf, „bin schon mit vier Jahren in Griechenland 20 Meter runter gesprungen. Köpfler, eh klar. Und nebenbei Eis geschleckt!“
Für mich war’s schlimm genug, aber ging grad noch so. Vermeiden ließ sich mein Sprung nicht, wenn 19 Leute, zwei blutdurstige Fotografen und zwei Coaches zuschauen. So süß und verrückt die auch sein mögen. Auch Mari Lang von Fm4 war da und fing die Spannung und den Spaß sehr smooth und unaufdringlich mit ihrem gelb-schwarzen Mic ein. Für später im Äther.
Nach dem Workshop war ich stolz auf mich und bin’s noch immer, hier im Mohrenwirt zu Fuschl. Wo es tatsächlich eine Sauna im Dachgeschoß gibt! Nur meine linke Fußsohle brennt noch ein bisschen und fühlt sich wie Alabaster an. Ganz glatt, blass und weich. Und ein fetter gelber Mond steht über dem Fuschlsee. Ach, Anna...