Montag 15.März 2010 | 21:54
Sports / Red Bull X-Fighters

Von RedBulletin am 10.06.2009

Er hat eine seltene Krankheit. Er trägt ein flammendes Herz auf der Brust. Und er hat niemals Angst. Jeremy Stenberg, der neue Superstar der Red Bull X-Fighters, im Porträt.


„Mein einziges Ziel von klein auf war, den besten Style zu haben.“ Das sagte Jeremy Stenberg nach seinem Sensationssieg bei den Red Bull X-Fighters 2008 im Sambódromo von Rio de Janeiro. Mat Rebeaud, Dany Torres, Robbie Maddison – allen Favoriten hatte er den Auspuff gezeigt. Am 100 Meter langen Kurs mit zwei großen Dirt-Jumps und einem Six-Pack (drei Sprünge in einer Reihe) zeigte er Backflips, Heelclickers und Superman-Seatgrabs vom Feinsten.

Verdienter Sieger. „Ich habe noch nie so einen selektiven Kurs gesehen“, sagte der 26-jährige Kalifornier nach seinem Sieges-Run, der die Zuschauer ebenso in Atem hielt wie der Stunt von Andre Villa, der sich bei einem Sprung von seinem Bike befreite und unsanft, aber unverletzt im Staub der Arena landete. Ganz fehlerfrei war auch Jeremys Siegeslauf nicht, doch ein Patzer von Mat Rebeaud bescherte ihm den Triumph und ein breites Grinsen im Gesicht: „Einige Fahrer hatten in Rio richtig Angst“, kommentierte er.

27 Jahre, davon 25 am Motorrad. Das Gefühl Angst kommt in Jeremys emotionaler Landschaft nicht vor. Im Alter von zwei Jahren trauten ihm seine Eltern, Metallica-Fans der ersten Stunde und hauptverantwortlich für seinen zum Schnellen und Lauten tendierenden Musikgeschmack und Lebensstil, die Reife für das erste eigene Motorrad zu. Seit seinem 16. Lebensjahr verdient er seinen Lebensunterhalt mit FMX.

Als Mitglied der Metal Mulisha zählt er zu den harten Jungs der Szene. Seinen politisch nicht ganz korrekten Spitznamen „Twitch“ – Zuckender – verdankt Jeremy dem Tourette Syndrom, das bei ihm im Alter von fünf Jahren diagnostiziert wurde (Anm.: Das ist jene Krankheit, bei der man u.a. unwillkürlich Schimpfwörter ausstößt).

Ein steiniger Weg. Das FMX-Business ist schnelllebig und hat ein kurzes Gedächtnis, daher zählt Jeremy Stenberg heute nicht mehr zum engeren Favoritenkreis. Insidern ist Twitch aber aus der Vergangenheit als das vielleicht größte Talent im FMX-Zirkus bekannt. Bereits 2005 zeigte er bei den Red Bull X-Fighters-Events in Mexico City und Madrid sein Können und wurde jeweils mit einem zweiten Platz belohnt.

Bei den Summer X Games 2005 stieg Stenberg dann noch eine Stufe höher und siegte im Best Trick Contest. Diesen Sieg wiederholte er nur wenige Monate später bei den Winter X Games 2006.

Sturz und Comeback. Beim ersten AST Dew Tour-Stopp 2006 in Louisville, Kentucky, allerdings fiel Twitch vom Himmel. Mehrere Beinbrüche zwangen ihn nicht nur für den Rest der Saison vom Motorrad, sondern auch für einige Wochen in den Rollstuhl. Sein Comeback startete Jeremy Stenberg 2007 mit dem Sieg bei der LG FMX-Weltmeisterschaft.

2008 schien der Mann mit dem flammenden Herz auf der Brust wieder zu seinen Stärken gefunden zu haben, bis ihn eine Verletzung Mitte der Saison aus der Siegerbahn warf. Heuer läuft's noch nicht wie am Schnürchen: In Mexiko schaffte es Twitch nicht in die Punkteränge, in Calgary ließ er mit Platz 4 eine klare Aufwärtstendenz erkennen. Aber alle, die ihn kennen, wissen: Twitch kommt zurück aufs Siegerpodest.


Jeremy Stenberg zeigt, wo noch Platz für ein Tattoo wäre.
Foto: Flo Hagena / Red Bull Photofiles


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